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Freundschaft und Machtpositionen - im Job vereinbar?

Veröffentlicht am 25.04.2024 von Marcel Penn, Marketing- und Verkaufsleiter Classifieds - Bildquelle: Getty Images
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In der heutigen Arbeitswelt ist es unabdingbar, dass Sie im beruflichen Umfeld viel Zeit mit Ihren
Kollegen verbringen. Mitunter resultieren daraus sogar Freundschaften. Was im ersten Moment positiv
klingt, kann im beruflichen Alltag jedoch auch Risiken mit sich bringen und das Arbeitsklima stark
belasten.
So gibt es durchaus Szenarien, in denen plötzlich gute Freunde zu Kollegen oder andersherum werden - sei es durch einen Jobwechsel oder einfach dem Umstand geschuldet, dass man sich am Arbeitsplatz anfreundet. Grundsätzlich ist dies ein Ereignis, das das Arbeitsklima stärken kann und somit sogar im Sinne viele Unternehmen ist. Selbst Wissenschaftler sehen dabei sogar einige Vorteile, in erster Linie für den Arbeitgeber. Insbesondere Aspekte wie Arbeitsleistung, Kreativität und Zusammenhalt werden durch Freundschaften am Arbeitsplatz gefördert. Das Resultat daraus sind zufriedene Mitarbeiter und weniger Kündigungen.

Doch auch Arbeitnehmer profitieren zunächst von freundschaftlichen Verhältnissen. Laut den
Wissenschaftlern fühlen sich Arbeitnehmer in einem entsprechendem Umfeld deutlich wohler und weisen mehr Freude an der Arbeit auf. Je enger die Freundschaft ist, desto höher fällt die Zufriedenheit am Arbeitsplatz aus.

Licht und Schatten der Freundschaft

Obwohl Freundschaften im Job zahlreiche Vorteile mit sich bringen, gibt es auch eine Kehrseite. So besteht das Risiko, dass Personen im Arbeitsumfeld abwertend behandelt werden, wenn mit ihnen keine Freundschaft geschlossen wird. Während auf der einen Seite also Freundschaften geknüpft werden, besteht auf der anderen Seite das Risiko, dass andere Kollegen ausgegrenzt werden.

Aus wissenschaftlicher Sicht wird dies nicht mit Absicht, sondern schlicht mit fehlender Energie
begründet. So kann es sein, dass Sie durchaus bereit sind, einem befreundeten Kollegen zur Hand zu gehen. Zugleich fehlen dadurch aber Zeit und Energie, um einem anderen Kollegen zu helfen, während eine wichtige Frist abläuft. In der Folge kann es so zu unfairem Verhalten gegenüber dem weniger gesonnenen Kollegen kommen.

Um das allgemeine Arbeitsklima nicht zu gefährden, sollten Sie in etwaigen Situationen Prioritäten setzen und die Arbeit über die Freundschaft stellen. Zwar mag es nicht einfach sein, Anliegen von Freunden zurückzuweisen, doch sollten Job und ein gesundes Arbeitsklima stets Vorrang haben.

Machtpositionen als Gefahr

Noch grösser wiegen potenzielle Risiken, wenn die Freundschaften am Arbeitsplatz sich über
Hierarchien hinwegbewegen. Befreundete Vorgesetzte können Entscheidungen treffen, die letztlich zu Konflikten innerhalb der Freundschaft führen. Es gilt zu beachten, dass Führungskräfte
unparteilich arbeiten und stets ihre Aufgaben über Freundschaften stellen sollten. Bestehen enge
Freundschaften zwischen Führungskräften und regulären Mitarbeitern, sind Konflikte kaum auszuschliessen.

Aus wissenschaftlicher Sicht wird in solchen Fällen dazu geraten, die Freundschaft etwas
aufzulockern. So zeigen bisherige Erfahrungen, dass das Konfliktpotenzial bei lockeren
Freundschaften geringer ist, als es bei engen Verbindungen der Fall ist.