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Wie wirkt sich der Mindestlohn auf den Arbeitsmarkt aus?

Veröffentlicht am 14.09.2023 von Marcel Penn, Marketing- und Verkaufsleiter Classifieds - Bildquelle: Getty Images
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Die Einführung des Mindestlohns in Basel-Stadt ging nicht folgenlos an der Wirtschaft vorüber. Das
brachte eine Studie der Universität Basel zutage - denn Unternehmen sind hier weniger dazu bereit, Investitionen zu tätigen. Auch bei Neueinstellungen ist Zurückhaltung angesagt. Gleichzeitig erhöhen viele Betriebe ihre Preise. Wird sich der Mindestlohn in der gesamten Schweiz durchsetzen, muss sich die Ökonomie auf diese Veränderungen einstellen und mit entsprechenden Anpassungen auf diese reagieren. Die Ergebnisse der Untersuchungen machen deutlich, dass es für eine Lösung der erwähnten Probleme innovativer Ansätze bedarf.
Es drohen Abwanderungen

Aufgrund der Erkenntnisse der Universität Basel (WWZ) drohen langfristig Abwanderungen. Das gilt vor allem unter dem Gesichtspunkt der sinkenden Neueinstellungen und der Preiserhöhungen. Denn dadurch ist das Leben für viele Personen nicht mehr leistbar. Die Studie wurde der unter der Leitung von Prof. Connie Wunsch durchgeführt - es fand gleichzeitig eine Förderung durch die Handelskammer bei der Basel, den Gewerbeverband Basel-Stadt und den Arbeitgeberverband Region Basel statt. Das Ziel war es, die längerfristigen Konsequenzen der Lohnsteigerung zu eruieren.

Gemäss dem Direktor des Gewerbeverbands Basel-Stadt, Reto Baumgartner, zeigen die Ergebnisse
eindeutig, dass der Mindestlohn für viele Unternehmen belastend ist. Es finden also weniger Investitionen statt, wodurch viele Stellen unbesetzt bleiben. Für Klein- und Mittelbetriebe ist diese Entwicklung besonders ungünstig. Denn diese Firmen sind ohnehin schon mit einem Arbeitskräftemangel konfrontiert. Doch auch für Personen auf Arbeitssuche ist der Trend problematisch.

Betriebe in Niedriglohnbranchen leiden

Vor allem Unternehmen im Niedriglohnsektor macht die Einführung des Mindestlohns zu schaffen. Sie halten sich mit Neueinstellungen zurück, da ihr Geschäftsmodell auf vergleichsweise gering bezahlter Arbeit basiert. Mit einem Mindestlohn ist das Anheuern zahlreicher Arbeitskräfte für sie nicht mehr leistbar.

Davon sind wiederum Menschen betroffen, die nur wenige Möglichkeiten haben, auf dem Jobmarkt Fuss zu fassen. Bemerkbar macht sich dieser Trend auch auf den Jobbörsen, wo für Basel aktuell weniger Stellenausschreibungen für den Niedriglohnsektor zu finden sind. Bei Arbeitssuchenden führt dies natürlich zu grosser Verunsicherung.

Kleinere Unternehmen halten sich aufgrund der neuen Entwicklung vor allem mit Investitionen zurück. Die Betriebe reduzieren diese oder verschieben sie. Langfristig könnte dies zu einer verminderten Wettbewerbsfähigkeit der Firmen führen, was wiederum Arbeitsplätze gefährdet.

Darum kommt es zur Preissteigerung

Viele Unternehmen heben die Preise für ihre Produkte an. Verantwortlich für diesen Trend ist
insbesondere die Inflation. Denn aufgrund Letzterer sind Kunden eher dazu bereit, die Erhöhung der Kaufpreise zu akzeptieren. Allerdings wird die Kaufkraft von einkommensschwachen oder arbeitslosen Personen dadurch weiter geschwächt.

Gemäss Reto Baumgartner dürfen die Verantwortlichen der Gewerbeverbände und Handelskammern bei dieser Entwicklung nicht tatenlos zusehen. Vielmehr ist sie gefordert, nach Lösungen zu suchen. Es gelte, betroffene Unternehmen nach der Einführung des Mindestlohns zu unterstützen. Dabei müssen sich Verantwortliche vor Augen halten, dass die neue Regelung durchaus ihren Preis hat. Will man die Wirtschaft am Laufen halten und Abwanderungen verhindern, dürfen Betriebe nicht weiter belastet werden.

Unter Umständen ist es notwendig, innovative Wege zu beschreiten. Es gilt in diesem Fall nämlich,
das Unternehmenswachstum mit den steigenden Gehältern zu vereinbaren. Die Wirtschaft darf die Auswirkung des Mindestlohns auf die Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen und deren Arbeitskräfte keinesfalls ignorieren.