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Ist die Rekrutenschule ein Stolperstein für die Karriere?

Veröffentlicht am 29.06.2023 von Marcel Penn, Marketing- und Verkaufsleiter Classifieds - Bildquelle: Getty Images
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Viele Männer fragen sich: Stellt die Tatsache, dass die Rekrutenschule noch vor mir liegt, ein Hindernis für meine Karriere dar?
Der Wehrdienst als Diskriminierungsfaktor

Die Pflicht für alle Schweizer Staatsbürger, den Militärdienst abzuleisten, stellt eine Diskriminierung durch das Geschlecht dar. Schliesslich sind nur Männer dazu verpflichtet und erleiden dadurch häufig berufliche Nachteile. Auch wenn beispielsweise im Januar 2022 auch 240 Frauen den Militärdienst begannen, war dies für sie - im Gegensatz zu den 11.000 Männern im selben Zeitraum - eine freiwillige Tätigkeit.

Denn in der Schweiz sind laut Bundesgesetz alle männlichen Staatsbürger verpflichtet, die Rekrutenschule zu besuchen, der weibliche Anteil der Bevölkerung jedoch nicht. Der Militärdienst stellt also, so sieht das auch Helena Trachsel von der Fachstelle für Gleichstellung Zürich, eine gesetzlich festgehaltene Ungleichstellung dar. Ein freiwilliger Militärdienst für alle Personen in der Schweiz könnte eine gerechtere Lösung sein.

Lehrabgänger ohne Militärdienst sind im Nachteil

Lehrabgänger, die noch keine Rekrutenschule besucht haben, suchen oft vergeblich nach einer
Festanstellung, da sie für Unternehmen einen Unsicherheitsfaktor darstellen. Denn wenn ein Mitarbeiter bis zu 21 Wochen lang fehlt, kann dies vor allem ein kleiner Betrieb nicht einfach kompensieren. Momentan zögern gerade mittlere und kleine Unternehmen bei der Einstellung von Personen, bei denen ein Militärdienst noch ansteht.

Doch auch internationale Grossunternehmen haben Vorbehalte bei Bewerbern ohne Rekrutenschule im Lebenslauf. Und eine Airline wie die Swiss setzt zum Beispiel für eine Einstellung als Kabinenpersonal zwingend voraus, dass die Rekrutenschule nicht in der Zukunft liegen darf. Der Grund: Ein militärdienstbedingter Ausfall würde den Betriebsablauf durch den Verlust von Qualifikationen einschränken.

Als positiv gesehen wird in diesem Fall, dass die Swiss die Ablehnung von Bewerbern zumindest transparent kommuniziert. Wenn ein Lehrabgänger mit guten Noten allerdings eine Ablehnung auf seine Bewerbung erhält, ohne eine Begründung zu erhalten, kann er nur vermuten, dass die Rekrutenschule einen negativen Aspekt in seinem Lebenslauf darstellt.

Veränderung in den Betrieben durch Fachkräftemangel

Die Rekrutenschule wird bald möglicherweise nicht mehr ein so grosses Hindernis darstellen wie in der Vergangenheit. Denn viele Betriebe können es sich schlichtweg nicht mehr leisten, gute Bewerber abzulehnen, bloss weil diese noch keine militärische Grundausbildung in ihrem Lebenslauf vorweisen können. Dadurch wird es möglicherweise für junge Männer in der Schweiz in Zukunft einfacher werden, nach der Lehre eine feste Anstellung zu finden, auch wenn die Rekrutenschule noch ansteht.